Klarheit und doch überhaupt nicht #2

… Im ersten dieser zwei Teile, habe ich davon berichtet, wie Jane und ich beim zweiten Date schön gemeinsam gebruncht haben und ich anschließend mit zu ihr gefahren bin. Dort offenbarte Jane mir, dass sie unter Depressionen leidet, sich aber in Behandlung befindet und Medikamente nimmt. Für mich ist das in Ordnung! Ich möchte diese Frau kennen und hoffentlich irgendwann lieben lernen.

Jane und ich umarmen uns und trinken einen Cappucino, während wir in ihrem Wohnzimmer auf dem Sofa sitzen. Ich überlege: „Diese Schutzschilde, diese Aversion gegen Lärm, Enge und den Kontrollverlust, wenn man nach allen Seiten offen im Raum steht oder sitzt. Das passt nicht zu einer Depression.“

Als hätte Jane meinen Gedanken gelauscht, nimmt sie meine Hand. „Da ist noch etwas, was Du wissen solltest. Ich habe Borderline!

Totenstille und ich muss zugeben, es ist schwer, mich mundtot zu machen! Ich überlege und merke schnell, dass ich überhaupt nicht abschätzen kann, was das für mich bedeutet. Ich verbinde Borderline mit Stimmungsschwankungen und Personen, die sich selbst der größte Feind sind. Aber Ahnung oder Wissen habe ich nicht.

Wie soll ich reagieren. Ist diese Jane, die gerade neben mir die, mit der ich die Beziehung führen würde? Oder kommt Abends nach Sonnenuntergang Mr. Hyde?

„Schwamm drüber!“, sage ich mir. „Ich mag Jane sehr und wenn es nicht klappen sollte, dann beendet man es halt – so wie man es sonst auch täte.“

Ich sage Jane, dass ich gern so viel darüber und über sie erfahren würde und mich auf ein ehrliches und aufrichtiges Kennenlernen freue.

Darauf erfolgt eine so innige Umarmung und so intensive Küsse, dass ich völlig übermannt bin.

Dieser Tag ist unser Tag eins und ich hoffe, es werden unzählige, sicher auch mal „interessante“, aber wunderschöne gemeinsame Tage, Wochen, Monate und Jahre.

Als ich an diesem abend auf meinem Bett liege, versuche ich möglichst viel über Borderline und das Leben als Borderlinepartner herauszufinden. Ich mache mir Notizen und setze diverse Lesezeichen. Es wird wohl kein leichter Weg, aber auch Borderliner haben ja zwei Seiten – nur dass der Pegel halt stärker und kurzfristiger auszuschlagen scheint, wie beim „Standard“. Wer auch immer diesen definiert hat.

Fazit Tag 1: Mein Brustkorb bebt, wenn ich an Jane denke und bislang waren ihre Stimmungsschwankungen nicht schlimmer, als bei einer meiner Ex, die unter PMS litt.

Jane, Du bist eine wunderbare Frau. Lass‘ uns bitte Mühe geben und alles richtig machen 😘

3 Gedanken zu “Klarheit und doch überhaupt nicht #2

  1. Drücke euch die Daumen, für eine lange, vertrauensvolle und glückliche Beziehung! Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, ja, es kann gelingen, auch mit Borderline eine gesunde Beziehung zu führen. Das bedeutet viel Arbeit für den Betroffenen, viele Jahre Therapie, sie muss viel über sich, ihre Gefühle und ihr Verhalten lernen, und ja, es dauert viele Jahre, es braucht Zeit. Aber dadurch hat sie auch die Chance auf ein schönes Leben, mit seinen Höhen und Tiefen, und die Chance auf eine gesunde, ausgewogene und vertrauensvolle Partnerschaft. Eine Person, die diese Erkrankung hat besteht ja nicht nur aus dieser Erkrankung. Ich finde es gut, dass sie so offen damit umgeht und du dich wiederum offen darüber informierst und dir Gedanken machst. Ich denke, ja, es wird dir helfen, einen klareren Weg für dich zugehen, auch gerade dann, wenn es ihr vielleicht mal nicht so gut geht. Mit Verständnis, aber auch klarer Abgrenzung.
    LG boderlife

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  2. Pingback: Klarheit und doch überhaupt nicht – Tagebuch einer Borderline Beziehung

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