Judgement-Day #1

Niemand hat mir gesagt, dass es mit einer Partnerin mit Borderline leicht sein würde. Ich habe auch damit gerechnet, dass der Gegenwind mal ganz kräftig ins Gesicht bläst… Bislang haben Jane und ich uns hervorragend verstanden und viel ausgetauscht und geredet.

Heute gab es dann (Thema Exfrau) plötzlich ein lautes Knacken in Janes Kopf. Ich habe sofort gemerkt, dass Gewitterwolken aufziehen und versucht alles zum Guten zu wenden, doch musste ich irgendwann, als Jane bei 20% Gewitterfront war los. Wir verabschiedeten uns liebevoll.

Später am Abend schrieben wir uns. Jane war sehr aufgebracht. Ihr Exmann macht derzeit Psychospielchen und hatte mal wieder ihren Nerv getroffen. Sie war ja eh schon leicht angefixt, und dann noch ihr Exmann.
Ein Wort gab das andere und innerhalb von 5 Minuten war ich Janes Orkan der Gefühle ausgesetzt.

Es sei ein wundervoller Tag gewesen (Wir hatten etwas schönes mit ihrer Tochter gemeinsam unternommen), ein schöner Abschluss der Beziehung.

Jane hatte gehofft, dass es mit uns etwas von Dauer würde, aber nun denn. „Lebe wohl John“, und sage Jenny (Ihrer kleinen Tochter), dass ich ihr leider keine gute Mutter sein konnte, aber ich habe sie immer geliebt.“

BAM 💥 „Das klingt final! Es ist kein Abschied von mir, es ist ein „Goodbye Cruel World„!!!“, denke ich. Für eine Interaktion bin ich zu weit weg… „DENK NACH JOHN!!“, pusche ich mein Adrenalin und es macht mich schnell. Wie ein Schachspieler spiele ich in wenigen Momenten alle möglichen nun folgenden Chat-Threads durch.

Ich muss zu Jane durchdringenden, denn den egomanischen Exmann mit seiner PTBS, die Nachbarn von Jane oder die Polizei möchte ich nicht einschalten. Würde ich eine dieser Stellen kontaktieren, hätte dies sofort Konsequenzen bezüglich „Erziehungsfähigkeit“. Und mehr Kontakte habe ich nicht gespeichert.

„Das ist es!“, denke ich mir. Jenny (Janes Tochter)! Jane liebt sie über alles und ist in ihrer Gegenwart immer eine korrekte und fürsorgliche, liebevolle Mutter – selbst, wenn sie innerlich gerade gegen Dämonen kämpft.
Ich schreibe ihr: „Jane, drohe nicht mit so etwas! Das ist pubertär! Ich weiß genau, dass Du nicht möchtest, dass Jenny das selbe Schicksal teilt wie Du. Soll auch sie missbraucht und von Pflege-Eltern im Keller eingekerkert werden? Soll sie von ihren Pflegeeltern mit einer vorgehaltenen Waffe zu sexuellen Handlungen gezwungen werden? Du bist der Schlüssel, das alles besser wird. Für Dich, für uns, und dass Jenny eine gute und glückliche Kindheit hat, und eine Chance auf ein normales Leben hat.“

Während ich mich fieberhaft anziehe um mit Vollgas zu Jane zu fahren, schaue ich immer wieder aufs Handy. NICHTS, keine Antwort.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, „Lass mich in Ruhe, verdreh nicht alles. Ich würde Jenny nie schaden!“

Diese Antwort signalisiert mir, dass Jane nun „nur“ ein Orkan ist, aber immerhin einer, der niemanden bedroht und heute Abend niemanden mehr schaden wird. Wahrscheinlich war es eh nicht ernst gemeint, denn „Bellende Hunde beißen nicht“ – aber will man sich darauf verlassen? Will man so eine Aussage nicht ernst nehmen?

Nein! Ich werde Jane immer ernst nehmen. Ich werde für sie da sein. Ich werde hinter ihr stehen, ihr den Rücken stärken, ich werde ihr Sprungnetz sein, damit sich sich unbesorgt auch mal seelisch fallen lassen kann und ich werde noch stärker versuchen, Triggermomente zu erkennen und mit ihr gemeinsam zu versuchen, diese Momente ohne emotionale Krise zu überstehen.

Warum? Ganz einfach: Jane ist eine wundervolle Frau. Sie ist witzig, teilt viele meiner Ansichten, ist auch eine verträumte Realistin, die trotz allem, was sie erlebt hat, die Hoffnung nie aufgegeben hat.
Jane ist in meinen Augen eine wundervolle, fürsorgende, aber nicht erdrückende Mutter. Und sie ist ganz nebenbei zärtlich, wunderhübsch und tut mir gut!

Ich liebe Jane und bin für sie da – genau wie sie für mich, wenn ich einen schlechten Tag hatte!

Jane, wir rocken das!

3 Gedanken zu “Judgement-Day #1

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